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Doktorarbeit am FiBL und an der Vetsuisse Fakultät Bern

 

Titel

Orale Therapie des Equinen Sarkoids beim Pferd mit dem Mistelpräparat „Iscador®“

Problemstellung

Das Equine Sarkoid (ES) ist eine weit verbreitete Erkrankung, die in der Schweiz mehr als 10% der 3-jährigen Pferdepopulation betrifft1,2. Das ES stellt therapeutisch immer noch eine grosse Herausforderung dar, da zwar viele verschiedenen Behandlungstechniken existieren, jedoch keine mit 100% Erfolg, zumal hohe Raten von wiederkehrenden Tumoren zu verzeichnen sind3,4. Die meisten Behandlungsoptionen wirken nur lokal auf einzelne Sarkoide und gestalten sich je nach Anzahl und Lokalisation der Tumore sehr komplex oder impraktikabel. Deswegen stellen Immuntherapien, die das gesamte Pferd systemisch berücksichtigen, wichtige und interessante Strategien bei der Behandlung von Sarkoiden dar.

Die antitumorale5, antiangiogene6, entzündungshemmende7 und immunstimulierende8 Wirkung von Mistelextrakten ist in der Humanonkologie inzwischen gut erforscht und auch in der Veterinärmedizin ist diese von grossem Interesse.

Die Misteltherapie zeigt sich wirksam bei der Behandlung von Tumoren der Katze9,10,11, des Hundes12,13,14 und des Pferdes15,16. Im Rahmen einer „prospektiven, Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie“ konnte die Wirksamkeit des Mistelextraktes Iscador® P als Behandlung erster Wahl bei von Sarkoiden betroffenen Pferden ein Jahr15 sowie fünf Jahre16 nach Behandlungsbeginn signifikant nachgewiesen werden.  

Einerseits zeigen die bisherigen Beobachtungen, dass die Heilung der ES nach Misteltherapieende teilweise mehr als ein Jahr dauerte und daher eine Verlängerung der Therapiedauer sinnvoll erscheint. Anderseits wird die Misteltherapie dreimal wöchentlich subkutan über 15 Wochen injiziert (42 Injektionen), was häufig als Ablehnungsgrund durch die Besitzer angeführt wird. Dadurch stellte sich die Frage nach der Möglichkeit einer oralen Verabreichung von Iscador® P, bei gleichbleibender therapeutischer Wirksamkeit, was in dieser Studie geprüft werden soll.

Wie jede andere Behandlungsart ist auch die Misteltherapie nicht 100% erfolgreich und es gibt bisher noch keine Möglichkeit den Therapieerfolg vor der ES Behandlung zu prognostizieren. Innerhalb dieser Studie soll daher zudem das Potential von MicroRNAs als diagnostische und «theranostische» Biomarker untersucht werden.

 

Ziele der Untersuchungen,
Vorgehen/Methode

In einem placebokontrollierten Doppeblindstudiendesign (Double Dummy Verfahren) wird untersucht, wie effektiv die orale Applikation des wässrigen Mistelextraktes Iscador P® zur Heilung von ES beiträgt. Neben einer eigentlichen Placebo-Gruppe, wird auch ein Vergleich zur Injektionstherapie und mit einem verlängerten Applikations-Regime der Misteltherapie vorgenommen.

Eine statistische Fallzahlschätzung aus der Vorstudie ergab eine Notwendigkeit von 15 Pferden pro Gruppe (davon 3), also insgesamt 45 Pferden, die innerhalb dieser Studie therapiert und beobachtet werden.

Ausgewertet wird u.a. die Verringerung der Sarkoid-Gesamtanzahl und der betroffenen Gesamtoberfläche pro Pferd während des  Behandlungsverlaufs (primärer Wirksamkeitsparameter). Darüber hinaus werden als sekundäre Wirksamkeitsparameter das klinische Ansprechen (Heilung, Besserung, keine Veränderung, Verschlechterung, Tod), die Zeit bis zur Heilung (Behandlungsbeginn bis zur ersten vollständigen, die gesamte weitere Studiendauer anhaltenden Abheilen aller Sarkoide eines Pferdes) sowie das Sarkoidvolumen herangezogen. Neben der Wirksamkeit werden ausserdem mögliche unerwünschte Wirkungen des Mistelpräparates (inklusive Schweregrad- und Kausalitätsbeurteilung) erfasst.

Begleitend zur Studie betreffend der Wirksamkeit von Iscador® P wird untersucht, ob sich miRNA Expressionsmuster im Vollblut zur Überwachung des Therapieerfolgs eignen und, ob die initiale miRNA Expression prognostische Aussagen über den zu erwartenden Krankheitsverlauf bei ES und die Chancen auf einen Therapieerfolg zulässt.

Die Studie soll als Dissertation (Dr. med. vet., ggf. PhD) in Kooperation des FiBL (Viscumvet Group, unterstützt durch den Verein für Krebsforschung und den Verein der Tierärzte des Kantons Neuenburg) und der ISME Pferdeklinik Bern (Vetsuisse Fakultät Bern, unterstützt durch die Stiftung Pro Pferd) innert 3 bis 4 Jahren durchgeführt werden.

 

Anforderungen

Für diese Aufgabe suchen wir Bewerberinnen und Bewerber, welche ein hohes Interesse für klinische Forschung (inkl. Laboranteil!) und eine hohe Motivation für die Arbeit mit Pferden und deren Besitzern mitbringen. Vorausgesetzt wird der erfolgreiche Abschluss eines Studiums der Veterinärmedizin, und im Idealfall ausreichende Sprachkenntnisse, um sich mit Pferdebesitzern auf Französisch und Deutsch zu verständigen, und die Publikation in englischer Sprache (auch mit sprachlicher Unterstützung) zu verfassen. Die Person benötigt ausserdem einen gültigen Führerschein.

Die Vergütung erfolgt nach SNF-Ansatz. Die Doktorandin oder der Doktorand wird am FiBL angestellt sein. Der Arbeitsort wird teilweise am FiBL und teilweise an der ISME Pferdeklinik Bern sein.

Kontaktperson

Bitte senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und Passfoto an folgende Adressen:

christoph.koch@vetsuisse.unibe.ch

lucia.unger@vetsuisse.unibe.ch

ophelie.christen@fibl.org

Bearbeitungszeitraum

Nach Vereinbarung

Literatur

1. Mele M. et al., (2007): [Prevalence of hereditary diseases in three-year- old horses of the Freiberger breed], Schweiz Arch Tierheilkd, 149(4): 151-9.

2. Studer S. et al., (2007): [Prevalence of hereditary diseases in three-year- old Swiss Warmblood horses], Schweiz Arch Tierheilkd, 149(4): 161-71.

3. Marti E.etal.(1993): Report of the first international workshop on equine sarcoid, Equine Vet J, 25: 397-407.

4. Carstanjen B.et al., (1997). Carbon dioxide laser as a surgical instrument for sarcoid therapy--a retrospective study on 60 cases, Can Vet J, 38: 773-6.

5. Kienle G.und Kiene H., (2003): Die Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen. Stuttgart.

6. Duong Van Huyen J.P.etal.(2002): Induction of apoptosis of endothelial cells by Viscum album: a role for anti-tumoral properties of mistletoe lectins, Mol Med, 8: 600-6.

7. Hegde P.et al. (2011): Viscum album exerts anti-inflammatory effect by selectively inhibiting cytokine-induced expression of cyclooxygenase-2, PLoS One, 6: e26312

8. Heinzerling L. et al., (2006): Immunologic effector mechanisms of a standardized mistletoe extract on the function of human monocytes and lymphocytes in vitro, ex vivo, and in vivo, J Clin Immunol, 26: 347-59.

9. Blostin R., Faivre C., (2008): Bénéfices du gui fermenté chez le chat après exérèse de fibrosarcome. Résultats d’une étude préliminaire. Phytothérapie 6: 352-358

10. Biegel U.et al., (2013): Mistletoe extracts (VISCUM ALBUM) as an adjuvant therapy concept in feline fibrosarcoma In: Die Mistel in der Tumortherapie 3, Scheer R. et al. (Hrsg.), KVC Verlag, Essen, pp. 475-485. 


11. Glardon O.et al., (2014):[ Viscum albumL. (Iscador) in the cat: tolerance, adverse reactions and indications] Schweiz Arch Tierheilkd., 156(8):381-8 


12. Lefebvre G.et al., (2007): [Treatment of transmissible veneral tumor (tvt) in dogs with Viscum album (Mistletoe) associated to chemotherapy L.] Clinica Veterinaria 70; p.78-86.

13. Biegel U. et al., (2017): Postoperative adjuvante Therapie mit einem Mistelextrakt (Viscum album ssp. Album) bei Hündinnen mit Mammatumoren, Complement Med Res 24(6):349-357

14. Von Bodungen U. et al., (2017): Kombinierte Anwendung von Strahlentherapie und adjuvanter Therapie mit einem Mistelextrakt (Viscum album L.) zur Behandlung des oralen malignen Melanoms beim Hund: Eine restropektive Studie, Complement Med Res 24(6): 358-363

15. Christen-Clottu O. et al., (2010): Treatment of clinically diagnosed equine sarcoid with a mistletoe extract (Viscum album austriacus), J Vet Intern Med, 24: 1483-9 


16. Christen-Clottu O. et al., (2013): Eine randomisierte placebo-kontrollierte Studie zur Behandlung des Equinen Sarkoids bei Pferden mit Viscum album (Iscador® P) In: Scheer R et al., (Eds): Die Mistel in der Tumortherapie 3. KVC Verlag, Essen, Deutschland, pp.463-473